Laudatio
Sehr geehrter Herr Vizepräsident Deutsch, Herr Präsident Fried aus Brünn, Herr Rabbiner Hofmeister, liebe Freunde, meine Damen und Herren,
kennen Sie die Stadt im nieder österreichischen Weinviertel mit drei Buchstaben? Die Stadt mit 4000 Einwohnern, die durch die besten Schulen der Region , die Therme und die Hubertus Bier Brauerei bekannt ist? Das ist Laa/Thaya. In dieser Stadt lebten vor 1938 33 jüdische Familien. Von Laa kommt die heute zu ehrende Familie Müllner.
Dort haben sich meine Urgroßeltern ca. 1850 aus Nikolsburg kommend niedergelassen. Ich bin die letzte noch lebende Jüdin, die die ersten vier Jahre ihres Lebens in Laa/Thaya verbracht hat. Ich bin stolz diese Laudatio halten zu dürfen. Gleichzeitig aber traurig, die Letzte zu sein die noch da ist, weil alle anderen nicht mehr leben, sei es weil ihre Uhr abgelaufen ist oder gewaltsam zum Ablauf gebracht wurde.
Nun zu dir liebe Lena, liebe Franziska, lieber Franz. Du warst es, die im Alter von 16 Jahren durch eine Fernsehsendung darauf aufmerksam gemacht wurde, dass es vor 1938 Juden in Laa gegeben hat. Das ließ dich aufhorchen und neugierig werden. Du hast begonnen zu forschen zu suchen. Deine Recherchen ergaben, dass ca. 300 Juden in Laa und Umgebung vor 1938 ein prosperierendes Leben führten. Wo kamen diese Menschen hin? Leben noch Nachkommen? Diese Frage wurde für dich und sukzessive für deine Eltern und Schwester ein wichtiger Teil eures Lebens.
Du und deine Familie begannen an Hand der Gräber am jüdischen Friedhof in Mistelbach, die über die Kontinente verstreuten Überlebenden und Nachkommen zu suchen und zu finden. Auf Grund einer Anzeige in der IKG Gemeinde Zeitung sind wir miteinander in Verbindung getreten. Du hast Reisen zu den Ex- Laaern gemacht. Wir alle wurden zu einer großen Familie. Euer Haus stand und steht diesen überlebenden Besuchern immer offen. Einmal sagte ich, ihr werdet ja ausgenützt, die Leute verbringen billige Urlaube bei euch. Die Antwort war, dies wäre eine kleine Wiedergutmachung dessen, was man den Familien vor und im zweiten Weltkrieg angetan hat. Euer Ziel war, diese Menschen, die viel in kultureller und wirtschaftlicher Hinsicht für die Region getan hatten, nicht zu vergessen. Es wurde der Verein „Lead Niskor“ gegründet. Als Verein konnte man bei verschiedenen Stellen versuchen Geld für die Errichtung eines Denkmals zu bekommen. Nach viel Mühe wurde am 19. Juni 2005 euer größter Wunsch verwirklicht. Das Erinnerungsmal. Der Sohn des Ex-Laaer Dr. Felix Jokl, Uri Jokel Architekt in Washington hat es entworfen und es wurde vor ca. 300 Gästen enthüllt. Neben Vertretern der IKG aus Wien und Brünn war Dr. Felix Jockl mit Familie sowie ca. 50 Nachkommen von jüdischen Familien aus Laa zu dieser denkwürdigen Veranstaltung aus aller Welt angereist. Man sagt, wenn man von jemandem nicht mehr spricht, ist die Erinnerung für immer gelöscht, erst dann ist er wirklich tot. Durch das Erinnerungsmal in dem die Namen der 33 Laaer jüdischen Familien, verzeichnet sind, werden heutige und kommende Generationen mit der Vergangenheit konfrontiert und die Menschen die in ihrer Stadt gelebt haben und aus ihr vertrieben wurden dadurch hoffentlich in Erinnerung bleiben.
Damit habt ihr aber eure Tätigkeit nicht als beendet angesehen. Lena, inzwischen Mittelschulprofessorin in München und ihre Eltern aktiv tätig als katholische Religionslehrer in Laa, arbeiten ständig an der Versöhnung und Aufklärung sowohl innerhalb wie auch außerhalb ihrer schulischen Tätigkeit. Es werden Synagogen aber auch ehemalige Konzentrationslager mit den Schülern besucht. Zeitzeugen werden in die Schulklassen eingeladen. Lena und Familie könnten ein ruhiges Leben führen. Nein, sie gehen lieber den schwereren, aber für sie befriedigenderen Weg. Seit 12 Jahren bemühen sich die Müllners um eine Gravur von Laa/ Thaya im Tal der Gemeinden in Jad Washem. Franz, der inzwischen Iwrit lernt, fährt ca. 2 Mal jährlich nach Israel um die Sache voranzutreiben. Nun wird auch dieser Traum Wirklichkeit und Laa wird im Rahmen einer kleinen Feier am 19. August dieses Jahres im Tal der Gemeinden - Iwrit: „Bik’at ha kehilot“ – verewigt.
Bei der Enthüllung des Denkmales in Laa hast Du liebe Lena gesagt „man sagt, der Hochzeitstag wäre der schönste Tag im Leben, aber für dich war der Tag der Denkmalenthüllung der schönste Tag. Ich hoffe sehr, dass auch der heutige Tag mit der Verleihung der Marietta und Friedrich Torberg Medaille ein Highlight deines Lebens ist. Vor allem möge es nicht der letzte Höhepunkt für Dich und deine Familie sein. In diesem Sinne, wünsche ich euch noch viele schöne Tage. Ich bin stolz eure Freundin zu sein.
.